Mediologisches Kolloquium

Seit dem Wintersemester findet an der Humboldt-Universität zu Berlin ein Mediologisches Kolloquium statt, an dem Examenskandidaten, Doktoranden, aber auch bereits graduierte Wissenschaftspublizisten ohne Disziplinzwang teilnehmen können.

Nähere Informationen finden sich unter www.iversity.de – eine Registrierung ist erforderlich (ein Passwort kann bei begründetem Interesse von der Redaktion des Forums Mediologie – kontakt@avinus.de –  per E-Mail angefordert werden ).

Kurzbeschreibung:

Was leistet die Mediologie für eine Bildwissenschaft, die nicht mehr nur Kunstgeschichte sein will, für eine Kul­turwissenschaft, die die Materialität des symbolischen Austauschs kultureller Vermittlung zur Kenntnis nimmt, für eine Theaterwissenschaft, die sich auch mit dem historischen Wandel sozialer Actor-Spectator-Beziehungen befasst, für eine Geschichtswissenschaft, die nicht mehr nur am Primat der geschriebenen (oder gedruckten) Quellen festhält, für eine Rechtswissenschaft, die das Rechtssystem nicht mehr allein als positivistische Textauslegung begreift, für eine Religionswissenschaft, die nunmehr mit der materialen Übertragung von Glaubens systemen rechnet, für eine Philosophie, die die Medialität des eigenen Denkens beobachtet und nicht zuletzt auch für eine Medienwissenschaft, die sich über die Definition des Medienbegriffs hinaus für das Zusammenspiel ganz unter schiedlicher Faktoren bei medialen Übermittlungsprozessen interessiert? Anfang der 90er Jahre in Frankreich erstmals von Régis Debray eingeführt und seither von zahlreichen Autoren weiterentwickelt, findet die Mediologie als transdisziplinärer Ansatz inzwischen auch in Deutschland immer mehr Anhänger und zeigt sich insbesondere anschlussfähig an konzeptionelle Ansätze, wie sie in Frankreich, England und den USA unter den Stichworten der „Agency“-Theorie bzw. der „Actor-Network-Theory“ diskutiert werden. Die Mediologie begreift sich als Methode oder wissenschaftliches Beobachtungsfeld, das die Korrelation von Ästhetik (Konventionen, Codes, Sprachen etc.), Technik (Apparaturen, Programme, Material etc.) und Organisation (Ökonomie, Gesellschaft, Politik etc.) von kulturellen Übermittlungsprozessen (und d.h. auch Übersetzungs- und Transformationsprozessen) analysiert. Damit konzentriert sich die Mediologie nicht auf einzelne Aspekte von Medien, sondern auf den Zusammenhang von Medientechnik, Medienorganisation und Medienästhetik und somit auch auf deren Wirkungsweise oder Macht. Sie erkundet den historischen Formationswechsel von Mediasphären in ihren kulturspezifischen Raum- und Verkehrsformen ebenso wie gegenwärtige Entwicklungen und Umbrüche.Das Mediologische Kolloquium ist ein offener Gesprächskreis für Examenskandidaten, Doktoranden oder interessierte (Wissenschafts-)Autoren, der sich zum Ziel gesetzt hat, über enge disziplinäre Grenzen hinaus die „Orte“ des Umbruchs unserer kulturellen Denkweise aufzuspüren und zu analysieren. Die Treffen finden in Blockform statt (die Termine werden beim ersten Treffen bekannt gegeben).
Das Mediologische Kolloquium diskutiert einzelne Schwerpunktthemen, die von den leitenden Dozenten eingeführt werden, Key Notes von Gast-Dozenten und vor allem die von Examenskandidaten vorzustellenden Arbeiten (oder Projekte). Eine aktive Mitarbeit wird erwartet.
Das Mediologische Kolloquium wird unterstützt vom AVINUS e.V. der unter anderem das Online-Magazin Forum Mediologie (www.mediologie.avinus.de) unterhält.

Eröffnungsvorträge von Birgit Mersmann und Thomas Weber

Nach zahlreichen Anfragen wurden nun die Eröffnungsvorträge zur Tagung Mediologie als Methode von Birgit Mersmann und Thomas Weber in einer leicht gekürzten Version hier auf der Mediologie-WebSite eingestellt.

Der Vortrag von Birgit Mersmann schildert aus ihrer Sicht die Perspektiven, die Mediologie gerade auch für eine kulturwissenschaftlich orientierte Bildwissenschaft bieten könnte. Der Vortrag von Thomas Weber gliedert sich in zwei Teile: Im ersten Teil „Grundlegendes zur Mediologie“ werden grundlegende

Züge der in Frankreich entwickelten Mediologie (für „Einsteiger“ in die Mediologie geeignet) erläutert (eine ausführlichere Einführung findet sich auch unter http://www.avinus-magazin.eu/html/mediologie.html) sowie deren Rezeption in Frankreich und Deutschland. Der zweite Teil „Mediologie als transdisziplinäre Methode“ befasst sich mit den wissenschaftspolitischen Konnotationen des mediologischen Projekts in Deutschland, die gerade durch die neuesten Veröffentlichungen des Wissenschaftsrats (Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Kommunikations- und Medienwissenschaft in Deutschland vom 25. Mai 2007, http://www.wissenschaftsrat.de/texte/7901-07.pdf) besondere Brisanz erhalten haben, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Rivalität zwischen DGPUK (Deutscher Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft) und GFM (Gesellschaft für Medienwissenschaft).

Wiki der Mediologie-Tagung vom 18./19.Mai 2007

Das generative Archiv KESHMA bietet unter dem link: http://www.keshma.net/doku.php/?idx=keshma_case:mediologie weitere Informationen zur Mediologie-Tagung vom 18. und 19. Mai 2007. Im Keshma-Net gibt es für alle Anwender die Möglichkeit, Informationen zu verändern oder hinzuzufügen (wie bei einem Wiki).

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