CfP Mediologie als Methode

CALL for PAPERS

Mediologie als Methode
Auf Initiative des AVINUS Verlags, der 1999 eines der Hauptwerke der französischen Mediologie, Jenseits der Bilder von Régis Debray, in deutscher Übersetzung veröffentlichte, ist eine Publikation geplant, die über eine Bestandsaufnahme der Entwicklung der Mediologie und ihrer Rezeption in Deutschland hinaus vor allem eine Reflexion über die Applikation mediologischer Ansätze und Fragestellungen in verschiedenen Fachdisziplinen versuchen soll.

Entwicklung und Rezeption der Mediologie
Von Régis Debray erstmals anfangs der 90er Jahre in Frankreich prominent vorgestellt, ist die Mediologie keine neue Medientheorie und hat auch mit Medienwissenschaft im engeren Sinne nichts zu tun, sondern versteht sich als neue Wissenschaftsdisziplin in Gründung, die weit über enge Fachkreise hinaus Beachtung und nicht zuletzt in der Gesellschaft für Mediologie (AD REM) und in den Zeitschriften Cahiers de Mediologie und medium eine breite Diskussionsplattform gefunden hat. Bekannte Intellektuelle wie Jacques Derrida oder Derrick de Kerkhoven setzten sich nicht nur explizit mit Mediologie auseinander, sondern entwickelten auch eine je eigene Auffassung von Mediologie wie etwa Daniel Bougnoux, Bernard Stiegler oder Pierre Lévy, um nur einige wenige zu nennen. Die Ausdifferenzierung des mediologischen Projekts, die je nach disziplinärer Zugehörigkeit und individuellem Standpunkt zahlreicher Autoren unterschiedlich akzentuiert wurde (und damit ihre Rezeption in Deutschland nicht erleichterte), hat jedoch einen gemeinsamen methodischen Kern:
AD REM, definiert die Mediologie ganz allgemein als Untersuchungsmethode der komplexen Korrelation zwischen einem symbolischen Körper (z.B. einer ästhetischen Form), einer Form der kollektiven Organisation (z.B. einem Wirtschaftssystem) und einem technischen System der Kommunikation. Dabei setzt die Mediologie bei dem Prozess der kulturellen Übermittlung bzw. Übertragung – der transmission culturelle – an, d.h. bei der Tatsache, dass alle Formen kulturell vermittelten Wissens materiale, technische, soziale oder auch ökonomisch geprägte Übertragungs- oder Übermittlungsprozesse durchlaufen, die nicht allein nur vordergründige Bedeutungen übertragen, sondern immer zugleich auch implizite Regeln der Übertragung selbst mit übermitteln.
Obwohl dieser Ansatz keineswegs ohne Vorläufer ist, zielt die Mediologie in der Zuspitzung dieser Problematik auf einen blinden Fleck des Wissenschaftsdiskurses: auf die Frage nach der Medialität kultureller Übermittlungsprozesse (und mithin eigener Erkenntnisse).
In Deutschland wurde die französische Mediologie bisher nur zögerlich rezipiert (z.B. bei Belting, Sloterdijk, Vogl, Hartmann), doch finden sich auch in Arbeiten, die sich nicht explizit auf die französische Mediologie beziehen, offensichtliche Parallelen zu mediologischen Fragestellungen (z.B. Krämer, Jäger u.a.).

Mediologie als transdisziplinäre Methode?
Was verbindet Autoren ganz unterschiedlicher Fachdisziplinen, wenn sie mediologische Fragestellungen aufgreifen? Gibt es eine Lücke im Wissenschaftsbetrieb, die mit den Mitteln der jeweiligen Fachdisziplinen nicht zu schließen ist? Oder öffnet die Mediologie gar neue Perspektiven, stellt also Fragen, an die bisher gar nicht gedacht wurde?
Was leistet die Mediologie für eine Bildwissenschaft, die nicht mehr nur Kunstgeschichte sein will, für eine Kulturwissenschaft, die die Materialität des symbolischen Austauschs kultureller Vermittlung zur Kenntnis nimmt, für eine Geschichtswissenschaft, die nicht mehr nur am Primat der geschriebenen (oder gedruckten) Quellen festhält, für eine Rechtswissenschaft, die das Rechtssystem nicht mehr allein als positivistische Textauslegung begreift, für eine Religionswissenschaft, die nunmehr mit der materialen Übertragung von Glaubenssystemen rechnet, für eine Philosophie, die die Medialität des eigenen Denkens beobachtet und nicht zuletzt auch für eine Medienwissenschaft, die sich weniger über die Definition des Medienbegriffs streiten als vielmehr das Zusammenspiel ganz unterschiedlicher Faktoren bei medialen Übermittlungsprozessen erkunden will?
Gesucht werden Beiträge von Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen, die entweder die Entwicklung und Rezeption der Mediologie behandeln oder aber mögliche mediologische Applikationen bzw. Perspektiven für die verschiedenen Fachdisziplinen.

Organisatorisches
Die einzelnen Beiträge sollten einen Umfang zwischen 10 – 15 Manuskriptseiten haben und mit einem abstract von 5 – 15 Zeilen angekündigt werden. (Längere Beiträge oder abweichende Vorschläge bitte vorher mit der Redaktion absprechen). Der AVINUS Verlag hat eine Veröffentlichung des Buches zugesichert, sofern die Beiträge den thematischen und qualitativen Anforderungen entsprechen und den vom Verlag vorgegebenen Umfang nicht sprengen. Die Redaktion behält sich daher eine Auswahl der Beiträge vor.
1. Interessierte melden sich bitte mit einem abstract von nicht mehr als 1500 Zeichen bis zum 15. Juli 2006 bei der Projektleitung: Dr. Thomas Weber, Schönholzer Str. 2, 13187 Berlin, Tel. 030 – 92 405 410, E-Mail: thoweber@web.de
2. Ein Treffen (Tagung o.ä.) könnte evtl. für Anfang 2007 in Berlin angesetzt werden (Reisekosten oder Vortragshonorare können derzeit noch nicht zugesagt werden).
3. Die Beiträge sollten spätestens bis zum 15. März 2007 bei der Redaktion eingegangen sein.

Träger des Projekts (derzeit): Deutsche Gesellschaft für Mediologie (in Gründung), AVINUS Verlag
Redaktion: Dr. Birgit Mersmann und PD Dr. Thomas Weber